• Georg Dornauer

Warnungen aus Island werden in Tirol ignoriert

5. März 2020

Am 29. Februar wurden Behörden in Island erstmals auf die Corona-Gefahr aus Ischgl aufmerksam. In Island werden 15 Urlaubs-Heimkehrer positiv auf das neuartige Coronavirus getestet. Wie sich wenig später herausstellte: es handelte sich um unterschiedliche Gruppen, die sich nicht kannten und die mit unterschiedlichen Flugzeugen heimreisten. Was alle gemeinsam hatten: sie waren in Ischgl im Skiurlaub.


Island erklärt Ischgl daraufhin zum Risikogebiet und stellt den Tiroler Wintersportort damit auf eine Stufe mit dem Iran und dem chinesischen Wuhan. Die Behörden in Tirol und Österreich werden am 5. März offiziell von Island über die Gefahr informiert. Alle Menschen, die aus Tirol zurückkehren werden in Island unter Quarantäne gestellt.


Tirol ignoriert die Warnungen und führt die signifikante Anzahl der Infektionen auf einen italienischen Fluggast bzw. eine Infektion am Flughafen München zurück.

„Aus medizinischer Sicht ist es wenig wahrscheinlich, dass es in Tirol zu Ansteckungen gekommen ist."

Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber


Diese Behauptung war falsch - im Gegenteil: in Ischgl hatte sich das Corona-Virus bereits wochen-, möglicherweise monatelang ungehindert ausgebreitet. Zahlreiche Menschen aus der ganzen Welt feierten ungehemmt in Tiroler Aprés-Ski-Lokalen und standen sich in den Gondeln der Skigebiete Nase an Nase gegenüber.


Statt hier genau hinzuschauen, versuchte man die Schuld von sich zu weisen und die Infektionsgefahr bei anderen zu suchen. Das obwohl man wusste, dass Hygiene und Distanz das genaue Gegenteil der exzessiven Partys in den Skigebieten ist. Tausende Menschen wurden auf diese Weise infiziert. Tausende Menschen, die danach das Corona-Virus in ihre Heimat mitgenommen und weiterverbreitet haben.


Norwegen führt den Ursprung von fast 500 Corona-Fälle auf Österreich zurück. Auch in Dänemark kommt ein Großteil der ersten Infizierten aus Tirol. Dazu kommen zahlreiche Fälle in Großbritannien und in Deutschland.


Zu diesem Zeitpunkt sind rund 150.000 zahlende Gäste in Tirol. Die Zahl, die sonst zu Jubel bei den Touristikern führt wird im März 2020 zum Brandbeschleuniger der Corona-Krise in ganz Europa. Die Gäste der letzten Februar- und der ersten Märzwochen sind die ersten Opfer der Tiroler Verharmlosung, sie und die tausenden Angestellte in den Tiroler Skigebieten - vom Barkeeper über das Liftpersonal bis hin zu den Reinigungskräften. Sie alle wussten nicht von der Gefahr, mit der sie unmittelbar konfrontiert waren. Und wovon man nichts weiß, davor kann man sich auch nicht schützen.


Genau das allerdings hätten andere zu diesem Zeitpunkt für diese Menschen mit aller Kraft und der gebotenen Sorgfalt tun müssen. Die Verantwortlichen in Tirol und im Bund wussten am 5. März, dass Corona in Tirol wütet. Sie wussten, von den frühen Fällen im Kühtai, sie wussten von den Warnungen aus Island und sie wussten von der potentiellen Gefahr in den Skigebieten. Trotzdem haben sie nicht reagiert und die Tourismus-Maschine ungehindert weiterlaufen lassen.


Im wahrsten Sinne des Wortes: Ohne Rücksicht auf Verluste.

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