• Georg Dornauer

Drehscheibe Ischgl

7. März 2020

Ischgl meldet den ersten Covid19-Fall eines Mitarbeiters im “Kitzloch”. Enge Kontaktpersonenen aus dem Arbeitsumfeld werden unter Quarantäne gestellt.


Landessanitätsdirektor Katzgraber erklärt auch diesmal:

Aus medizinischer Sicht ist es wenig wahrscheinlich, dass es in Tirol zu Ansteckungen gekommen ist.

Erneut eine fatale Fehleinschätzung des obersten Tiroler Gesundheitsbeamten. Das Coronavirus ist hochansteckend. Um das zu wissen, hätte die einfache Medienbeobachtung gereicht. Dazu kommt die besondere Situation in den Aprés-Ski-Lokalen. Der Titel „Ballermann der Alpen“ kommt nicht von ungefähr. Ausgelassene Trinkspiel in engen Bars mit möglichst viel Körperkontakt gehören zum „Urlaubserlebnis“ in Tirol. Nicht selten heißt das auch, dass die Trillerpfeife, mit denen sich die Kellnerinnen und Kellner den Weg durchs Lokal bahnen, kurzerhand von den Gästen übernommen werden. Der Austausch von Körperflüssigkeiten ist dabei keineswegs ausgeschlossen - er ist sogar sehr wahrscheinlich.


Eine Infektion in diesem Umfeld „aus medizinischer Sicht als wenig wahrscheinlich“ einzustufen, ist nicht nur befremdlich, es ist auch wenig glaubwürdig. Vor allem, weil die Tiroler Gesundheitsbehörden wohl am allerbesten wissen müssten, was sich in den vielen Bars und Lokalen in den Skigebieten abspielt. Dass sich in der Konkurrenz zwischen Geschwindigkeit und Hygiene hier in den meisten Fällen der Umsatz durchsetzt, ist ein offenes Geheimnis und tolerierte Praxis. Eine Praxis, von der man auch in Zeiten von Corona nicht abweichen wollte und so in Kauf genommen hat, dass sich tausende Gäste und unzählige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Virus infizierten,


Statt also schnell und konsequent zu reagieren, setzen die Tiroler Behörden auch am 7. März noch auf Verschleierung und darauf, die Bedrohung Coronavirus so klein wie möglich zu reden. Wiederum vor allem ein Ziel vor Augen: die Gäste nicht zu verunsichern und den Profit des mächtigen Tourismus nicht zu gefährden.


Immerhin hat der Tourismus eine starke Interessenvertretung in Tirol mit der die Entscheidungsträger seit Jahren eng verbunden sind und auf die vielleicht sogar der ein oder andere Karriereschritt zurückzuführen ist. Jedenfalls aber ist die Nähe von Landeshauptmann Günther Platter aus Zams und Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg aus Landeck zu den reichen und mächtigen in Ischgl, St. Anton und Sölden unbestritten. Und unbestritten ist auch, dass eben diese reichen und mächtigen sich nicht nur einmal erfolgreich in die Tiroler Politik eingemischt haben. Im Gegenteil: dass die Liftkaiser und Großhoteliers in unserem Land bekommen was sie wollen, gehört zur Politik, wie der Billig-Schnaps zum Aprés-Ski - inklusive dem fahlen Nachgeschmack.

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