• Georg Dornauer

Corona erreicht Tirol

Aktualisiert: März 31

Jänner und Februar 2020


Großbritanniens "Patient Zero"

Die Spur nach der Suche nach dem Patienten 0 führt nach Tirol. Ein 50-jähriger IT-Angestellter soll sich in Tirol angesteckt haben - genauer: in Ischgl.



Das interessante daran: der Urlaub des Mannes, den er mit seinen Freunden aus Dänemark und den USA Mitte Jänner am Ballermann der Alpen verbrachte war zwischen 15. und 19. Jänner 2020. Also über 1 Monat vor bekanntwerden der ersten offiziellen Corona-Fälle in Tirol. Alle drei Urlaubsgäste wiesen nach ihrem Besuch klassische Corona-Symptome auf.


Erste Hinweise auf Corona im Kühtai

Am 30. Jänner informiert das Bayerische Landesamt für Gesundheit die Tiroler Gesundheitsbehörden unter der Leitung von Landesrat Tilg über eine mögliche Ansteckung in Tirol. Eine Frau aus Bayern wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Sie hatte davor eine Woche auf der Dortmunder Hütte im Kühtai (Bezirk Innsbruck-Land) Urlaub gemacht.



Die Tiroler Landessanitätsdirektion erklärt: "Wir haben uns umgehend mit der Hüttenwirtin in Verbindung gesetzt, um die 23 engen Kontaktpersonen zu identifizieren (...). Sollten sich Krankheitszeichen entwickeln, wird eine Abklärung eingeleitet.


Vertuschte Fälle in Ischgl?

In einem Ischgler Betrieb soll, so der Vorwurf des deutschen ZDF, bereits Mitte Februar der erste Corona-Fall bekannt gewesen, aber nicht gemeldet worden sein.


Die Gemeinde Ischgl wird am 24. März mit dem Vorwurf konfrontiert und leitet die Informationen an die Bezirkshauptmannschaft Landeck weiter. Diese übermittelt den Fall an die Staatsanwaltschaft.


Ischgl und der TVB wehren sich vehement gegen die Vorwürfe:

So erklärt der TVB jetzt in seiner Antwort auf sechs ZDF-Fragen, dass dem Verband zu keinem Zeitpunkt vor dem Fall in der Bar „Kitzloch“ nur irgendeine Infektion oder auch nur ein konkreter Verdacht dazu zu Ohren gekommen sei. „Eine tatsächliche Infizierung hätte nur der örtliche Arzt diagnostizieren können, wobei dieser ohnehin einer Meldepflicht untersteht.“ Erst am 7. März sei man vom Land von der Virus-Erkrankung des Barkeepers informiert worden.

Tiroler Tageszeitung: Tiroler Krisenmanagement: Ischgl wehrt sich, Behörde unter Druck, 26. März 2020.


Ignoranz der Verantwortlichen

Landeshauptmann Günther Platter behauptet in einer späteren Pressekonferenz, dass man das "Buch nicht von hinten lesen" könne. Das ist richtig. Allerdings hätte man nur im Jänner genau hinschauen müssen, um den Ernst der Lage und das Bedrohungspotential für die Tirolerinnen und Tiroler zu erkennen.


Die Tiroler Behörden wussten seit Ende Jänner von bestätigten Corona-Fällen aus Tirol und wurden von anderen Ländern auf die Gefahr hingewiesen und gewarnt. Statt die richtigen Vorkehrungen zu treffen und das Coronavirus ernst zu nehmen, entschied man sich für das "weiter wie bisher" und dazu, die Debatte rund um einen möglichen Ausbruch in Tirol so klein wie möglich zu halten.


Schließlich war die Wintersaison noch in vollem Gange - und was man in Tirol natürlich nicht will, ist dem Tourismus schaden, in dem man die zahlenden Gäste verängstigt, oder gar davon abhält, nach Tirol zu kommen. Das ist die gelernte und erprobte Denkweise in der Tiroler Politik, die den Grundstein dafür gelegt hat, dass unser Land - aufgrund von zahllosen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen - heute als internationale Corona-Drehscheibe wahrgenommen wird.


Der Schatten des Tourismus, der mächtigen Seilbahner, der Großhoteliers über dem Kopf der Tiroler Politiker ist schon Ende Jänner spürbar. Der Schatten, der die Katastrophe Ischgl möglich und den Bezirk Landeck zu dem am stärksten betroffenen Gebiet Österreichs gemacht hat. Der Schatten, der es möglich gemacht hat, dass sich die Gier und die Profitinteressen gegen die Gesundheit und das Wohl der Menschen durchsetzen konnten.







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